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Schöner Wohnen für Fledermäuse

Eröffnung einer Fledermaus-Forschungsstation bei Wittenborn

Schöner Wohnen für Fledermäuse

Mölln / Bad Segeberg, 28. März 2014. Ein ehemaliges Übungshaus auf der Bundesliegenschaft Wittenborn westlich von Bad Segeberg wurde zu einer Forschungseinrichtung für Fledermäuse umfunktioniert. Im Auftrag des Bundesforstbetriebes Trave haben die Fachleute des Fledermaus-Zentrums Bad Segeberg und der Faunistisch-ökologischen Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein die Umbauten durchgeführt. Heute ist die ‚Fledermausstation Wittenborn’ offiziell eröffnet worden.

Früher schwirrten Soldaten durch das Gebäude, seilten sich aus den Fenstern ab und übten Häuserkampf. Bis 2009 war die Bundeswehr in den Wäldern nordwestlich von Wittenborn unterwegs.

Nach dem Ende der militärischen Nutzung ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) nun Eigentümerin des ehemaligen Übungsplatzes. Der örtlich zuständige Bundesforstbetrieb Trave sollte aus Verkehrssicherungsgründen den Rückbau der nicht mehr benötigten Gebäude und Anlagen veranlassen.

Aber ein Gebäude schien zu schade für die Abrissbirne. Aus bundesweiter Erfahrung wussten die Förster um die Bedeutung verlassener und entsprechend exponierter Bauten für den Artenschutz, hier speziell für Fledermäuse. Es war ein glücklicher Umstand, dass im benachbarten Bad Segeberg entsprechende Spezialisten sich um das größte natürliche Fledermaus-Winterquartier in Nord- und Mitteleuropa kümmern. Florian Gloza-Rausch vom Fledermauszentrum Bad Segeberg und Matthias Göttsche von der Faunistisch-ökologischen Arbeitsgemeinschaft (FöAG) waren sofort zur Stelle und bestätigten die Vermutung, dass das ehemalige Übhaus eine besondere Eignung als Quartier für Fledermäuse aufweist. Sie beflügelten die Initiative des Bundesforstbetriebes – gemeinsam wurde die Projektidee einer Fledermaus-Forschungsstation in naturschutzfachlich bester Lage geboren.

„Das besondere an diesem Vorhaben ist der experimentell-wissenschaftliche Ansatz.“ betont Matthias Göttsche, der das Fledermausmonitoring des Landes Schleswig-Holstein leitet. „In einem einzigen Gebäude können auf vier Etagen unter unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen gängige und neue Ersatzmaßnahmen zur Schaffung künstlicher Sommer- und Winterquartiere auf ihre Effizienz hin untersucht werden.“

Die Bundesförster stellten die Projektidee den Naturschutzbehörden vor. Auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Segeberg erkannte die Bedeutung und finanzierte die Grundherrichtung aus naturschutzrechtlichen Ersatzgeldern. Das hochaktuelle daran ist, das es sich um Kompensationsmittel für den Bau von Windenergieanlagen handelt.

Erkenntnisse über den Erfolg von Quartierschaffungsmaßnahmen sind für den Fledermausschutz von größter Bedeutung, da sehr häufig dort, wo in die Natur eingegriffen wird, Ersatzleistungen für die unter Naturschutz stehenden Fledermäuse geleistet werden müssen. Doch das Wissen über die Vorlieben der einzelnen Fledermausarten ist noch sehr lückenhaft. An der Fledermaus-Station Wittenborn können nun künftig diverse Quartiertypen nebeneinander in der Praxis getestet und optimiert werden.

Die allgemeine Projektleitung bleibt beim Eigentümer und Auftraggeber, dem Bundesforstbetrieb Trave. „Wir sind sehr erfreut, dass sich der Bundesforstbetrieb Trave für dieses Projekt stark gemacht hat und hier nun eine in dieser Form einzigartige Möglichkeit zur Untersuchung und Erprobung von Schutzmaßnahmen für Fledermäuse geschaffen werden konnte“, freut sich Diplombiologe Florian Gloza-Rausch, Geschäftsführer des Fledermaus-Zentrums Bad Segeberg, der hier künftig als Partner von Bundesforst mit Examenskandidat/Innen die Quartiervorlieben verschiedener Fledermausarten untersuchen möchte. Bereits die Herrichtung des Gebäudes wurde wissenschaftlich begleitet. So bearbeitet der Geografiestudent Ole Jost von der Christian-Albrechts-Universität in Kiel das Thema in seiner Bachelorarbeit. Aber auch seine handwerklichen Fähigkeiten waren  eine große Hilfe für die Umsetzung der konkreten Schutzmaßnahmen vor Ort.

Gemeinsam mit Thomas Wälter, Leiter der Abteilung ‚Naturschutz und Forsten’ beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein (LLUR) und Herrn Dr. Georg Hoffmann, Leitender Kreisverwaltungsdirektor des Kreises Segeberg hat Christian Feuring von der Zentrale Bundesforst der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben aus Bonn nun das Haus offiziell seiner Bestimmung übergeben. 

Das ehemals zu militärischen Übungszwecken genutzte Haus auf den Flächen des Bundesforstes in Wittenborn. 

Der Haustechniker des Fledermaus-Zentrums Bad Segeberg, Dieter Buthmann, beim Einbau eines Fledermausquartiers in eine Fensterlaibung des Gebäudes.

Der Dachboden der Fledermausstation Wittenborn wird zukünftig verschiedenen Fledermausarten als Quartier dienen.

 

 

 

 

 

 

 

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